Pioniergeist greift weiter: vom WSG zum WPG
2008 fertigte WEISS ROBOTICS die ersten Greifer noch in einer Dreizimmerwohnung in Ludwigsburg-Pflugfelden. „Das Wohnzimmer wurde zum Büro, das Kinderzimmer zur Werkstatt. Die Elektronik wurde im Schlafzimmer montiert“, erinnert sich Gründer und Geschäftsführer Dr. Karsten Weiß. Schon bald reichte der Platz nicht mehr aus. Auch die zweite zugemietete Wohnung konnte das Platzproblem nur kurzzeitig lindern. Eine neue Lösung musste her. Nach etwas mehr als einem Jahr Bauzeit eröffnete der damals 37-Jährige in Ludwigsburg-Oßweil seinen neuen Standort mit eigener Fertigung.
Von Anfang an stand dabei eine Idee im Mittelpunkt: Greiftechnik sollte sich flexibel an unterschiedliche Aufgaben anpassen lassen und nicht umgekehrt.
2009 wurden die ersten WSG-Greifer ausgeliefert. Sie prägten die Entwicklung des adaptiven Greifens über viele Jahre mit. Jetzt steht der Generationswechsel an: Die WSG-Serie wird schrittweise abgekündigt, während wir ihren Ansatz mit der WPG-Serie weiterführen. Die WPG-Serie vereint mehr als 15 Jahre Erfahrung mit neuen Möglichkeiten für moderne Robotikanwendungen.
Von der Roboterhand zum Zweifingergreifer
Die Wurzeln des WSG reichen zurück in die Promotionsarbeit von Dr. Karsten Weiß am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Dort beschäftigte er sich mit taktiler Sensorik und einer taktilen Mehrfingerhand, die später unter dem Namen „SDH“ von einem namhaften Spanntechnikhersteller vermarktet wurde. Daraus entstand die Frage, wie sich die Prinzipien des adaptiven Greifens auf einen Zweifingergreifer für praktische Automatisierungsaufgaben übertragen lassen.
Ein wichtiger Schritt war, den Greifprozess digital zugänglich zu machen. Über Ethernet ließ sich der WSG direkt aus PC-basierten Anwendungen ansteuern. Sensorische Erweiterungen lieferten zusätzliche Informationen über den Kontakt zum Werkstück: Optionale Kraftmessfinger konnten die Greifkraft unmittelbar am Werkstück erfassen.
Die Architektur war bewusst offen angelegt. So ließ sich der WSG in unterschiedliche Steuerungskonzepte einbinden und bot Freiraum für Anwendungen, deren Anforderungen bei seiner Entwicklung noch gar nicht absehbar waren.
Wie die Forschung den WSG nutzte
Wie wichtig diese Offenheit war, zeigte sich besonders in der Robotikforschung. 2023 besuchte Dr. Karsten Weiß die Columbia University in New York. Dort kam der WSG 50 im Forschungsprojekt „DextAIRity“ zum Einsatz. Für den Versuchsaufbau war die direkte Ansteuerung des Greifers vom PC über Ethernet ein wichtiger Bestandteil. Zum Besuch an der Columbia University
Im Projekt wurde robotergestütztes Greifen und Manipulieren mit gezielt eingesetztem Luftstrom kombiniert, etwa um Textilien zu entfalten oder Beutel zu öffnen. Solche Aufgaben sind besonders anspruchsvoll, weil sich die Form der Objekte während der Bewegung verändern kann.
Das Beispiel zeigt, wie intensiv Forschungsteams die Möglichkeiten des WSG nutzten. Diese Erfahrungen haben unseren Blick dafür geschärft, welche Freiheiten Entwickler auch künftig benötigen.
Der nächste Schritt: WPG und Motion Stream Interface (MSI)
„Wir wollen Greiftechnik adaptiv halten“, fasst Dr. Karsten Weiß den Anspruch zusammen.
Die WPG-Serie führt diesen Gedanken fort. Sie bietet Ethernet, eine sensorlose Greifkraftregelung, integrierte Greifteilerkennung und -überwachung sowie einen IP54-geschützten Steuerungsbereich. Über das integrierte GRIPLINK-Protokoll lässt sie sich in passende Roboteranwendungen integrieren. Zur WPG-Serie.
Das optionale Motion Stream Interface (MSI) geht einen Schritt weiter: Eine übergeordnete Steuerung kann dem WPG kontinuierlich Bewegungen und Kraftgrenzen vorgeben. Die internen Regelkreise setzen diese Vorgaben als eine dynamische Positionierung um. Gleichzeitig liefert der Servogreifer Zustandsdaten zurück, darunter Position, Geschwindigkeit und geschätzte Greifkraft.
Damit eröffnet MSI neue Möglichkeiten für Anwendungen im Bereich Physical AI. Ein externes System kann beispielsweise Kameradaten auswerten und die Greifbewegung während eines laufenden Vorgangs anpassen. Wahrnehmung, KI-basierte Entscheidungen und übergeordnete Bewegungsplanung bleiben dabei im externen System. MSI stellt die Schnittstelle zur Greifbewegung bereit. Mehr über MSI.
Welche Lösung passt zur Anwendung?
Für Betreiber bestehender WSG-Anwendungen und für neue Anlagen stellt sich die Frage: Welcher Greifer ist künftig die richtige Wahl?
Für Ethernet-basierte Roboter- und PC-Anwendungen bietet sich die WPG-Serie als Weiterentwicklung des WSG an. Wo die Einbindung über einen klassischen Feldbus vorgesehen ist, kommt die IEG PLUS-Serie mit integrierter IO-Link-Schnittstelle infrage. Über einen geeigneten IO-Link-Master lässt sie sich in unterschiedliche Automatisierungsnetze und klassische SPS-Umgebungen integrieren.
Welche Lösung tatsächlich passt, entscheidet die konkrete Greifaufgabe: Hub, Kraftbereich, Greiffinger, mechanische Anbindung, Sensorik und Steuerungsintegration müssen zusammenpassen. Bei der Auswahl und technischen Prüfung unterstützen wir unsere Kunden und Partner wie gewohnt persönlich. Sprechen Sie uns an.
Abkündigung der WSG-Serie: die nächsten Schritte
Für neue Anlagen und Konstruktionen empfehlen wir die WSG-Serie nicht mehr. Mit der WPG- und der IEG PLUS-Serie stehen moderne Alternativen zur Verfügung, deren Eignung jeweils anwendungsbezogen geprüft werden sollte. Für die WSG-Modelle gelten folgende Bestellfristen:
- WSG 32-068, Artikelnummer 5120007: Letzte Bestellmöglichkeit bis zum 31. März 2027. Der Service wird bis Ende 2028 fortgeführt.
- WSG 50-110, Artikelnummer 5120008: Letzte Bestellmöglichkeit bis zum 31. Dezember 2027.
Mit dem Auslaufen der WSG-Serie geht ein prägendes Kapitel der Produktgeschichte von WEISS ROBOTICS zu Ende. Dafür danken wir besonders unseren Kunden und Partnern, die den WSG mit anspruchsvollen Anwendungen immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt haben, den Forschungsteams, die seine Möglichkeiten ausgelotet haben, und unseren Mitarbeitenden, die ihn über viele Jahre entwickelt, gefertigt und betreut haben.
Doch der Pioniergeist, mit dem alles begann, lebt weiter. Mit der WPG-Serie schlagen wir ein neues Kapitel des adaptiven Greifens auf. Dabei setzen wir auf neue Technologien, neue Ideen und die gleiche Begeisterung wie am ersten Tag. Schreiben wir die Geschichte gemeinsam weiter. Sind Sie dabei?